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Kleine Pfeilkunde für Bogensport-Einsteiger

Zunächst muss einmal festgestellt werden, dass Pfeil nicht gleich Pfeil ist, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Materialien und deren Komponenten gibt. Pfeile können aus Holz, Aluminium, Carbon oder auch aus einer Kombination von Aluminium und Carbon bestehen. Andere Materialien wie Fiberglas oder ähnliches sind zwar billig, für einen ambitionierten Bogenschützen aber nicht geeignet.

Pfeile

Diese genannten unterschiedlichen Materialien weisen aber auch unterschiedliche Eigenschaften in Bezug auf das Biegeverhalten, Kraftübertragung, Kraftentfaltung, Flugeigenschaften und Gruppierungen auf, die dann als Grundlage für die Verwendung in der Halle (kurze Entfernungen zwischen 18 und 25 Meter) oder als Langstreckenpfeil (Entfernungen von mehr als 50 Meter) dienen.

Als Grundsatz gilt:
„Der Pfeil muss optimal zum Bogen und zum Schützen passen!“

Um nun herauszufinden, welcher Pfeil es nun werden soll, müssen wir zunächst einige grundsätzlichen Parameter wie Auszugslänge = Pfeillänge, Dicke des Schaftes, Material, Anforderungen an den Pfeil (Lang- oder Kurzstrecke) festlegen.

Da die Pfeile zum Verbrauchsmaterial / Verschleißmaterial im Bogensport gehören, können die hier anfallenden Kosten einen ganz schön stattlichen Betrag im Jahr ausmachen. Dieses sollte den ambitionierten Schützen allerdings nicht davon abhalten, seinen Pfeil zu finden und ihn letztendlich auch zu schießen. Wie Sie in der nun folgenden Abbildung eines Aluminiumpfeils sehen, besteht der Pfeil aus unterschiedlichen Komponenten.

  1. Die Spitze
  2. Der Pfeilschaft
  3. Die Befiederung
  4. Das Bushing
  5. Der Nock

Der Pfeilschaft wird mit einer Spitze ausgerüstet, die dazu dient, den Pfeil vorne schwerer zu machen. Dadurch wird die Flugbahn stabilisiert und sie schützt auch vor Bruch am vorderen Ende. Bei einer schwereren Spitze wird somit der Schwerpunkt nach vorne hin verlagert. Bei leichteren Spitzen nicht ganz so weit. Diese Verlagerung wird auch Front of Center (FOC) genannt.

Beim Abschuss auf dem Bogen wird der Pfeil aufgrund seiner Massenträgheit zunächst einmal gestaucht. Je schwerer die Spitze, desto größer die Stauchung. Danach wird in der Beschleunigungsphase der Pfeil durchgebogen was dann zu einer Pendelbewegung führt, die je nach Steifheit (der sogenannte Spine-Wert) mal mehr oder mal größer ist. Entsprechende High-Speed Aufnahmen zeigen, dass sich der Pfeil auf seinem Weg zum Ziel hin in einer Art „Schlangenbewegung“ befindet.

Die Bestimmung dieses Spine-Wertes ist von ausschlaggebender Bedeutung für den Schützen, denn nur die richtige Definition führt zu einem guten bis sehr gutem Ergebnis in Bezug auf „den passenden Pfeil“. Näheres hierzu finden Sie in einem separaten Artikel unter dem Thema Spine-Wert eines Pfeiles. Da sich der Pfeil in seinem Ganzen verwindet, muss er trotz dieser Eigenschwingungen möglichst gerade zum Ziel fliegen. Um dieses zu erreichen, benötigt es viel Grundwissen und Erfahrung, um sein Material (Bogen und Pfeil) optimal abzustimmen mit dem notwendigen Grob- und Feintuning.

Am Ende des Pfeils sitzt in dem sogenannten Bushing die Nocke, die es in vielen Varianten gibt. Einige Nocken wurden speziell für bestimmte Pfeile entwickelt und hergestellt und zeichnen sich durch hervorragende Eigenschaften aus. Es sei hier kurz darauf hingewiesen, dass die Nocke gut auf die Sehne passen muss. Eine zu stramm oder zu locker sitzende Nocke wirkt sich nachteilig auf das Flugverhalten des Pfeils aus.

X-Nocks von Easton in verschiedenen Farben

Die Befiederung am Ende des Pfeils stabilisiert den Pfeil während seines Flugs aerodynamisch. Auch hier werden unterschiedliche Materialien, Formen und Größen von Seiten der Hersteller angeboten. Grundsätzlich ist folgendes festzustellen: Je größer und dicker eine Befiederung ist (z.B. Naturfedern) desto schneller erfolgt die Stabilisierung. Nachteil ist aber, dass durch den relativ starken Luftwiderstand die Reichweite reduziert wird. Daher kommen für schwächere Bögen die durchschnittlich unter 30 lbs. liegen nur kleine oder mittelgroße Plastikfedern in Frage. Diese haben einen geringeren Luftwiderstand und verkürzen somit nicht die Reichweite des Pfeils.

Plastik-Federn / Fahnen / Vanes

Um nun herauszufinden, ob der ausgesuchte Pfeil (hier richtiger Spine-Wert) auch zum Schützen und zum Bogen passt, bedient man sich des sogenannten Berger-Tests. Um hier korrekte Ergebnisse erzielen zu können, sollte der Schütze über eine solide und gute Schießtechnik verfügen. Hat er diese noch nicht, macht solch ein Test keinen Sinn und ist lediglich Zeitverschwendung. Stellt sich bei diesem Test heraus, dass der Pfeil passt, kann man zum Feintuning übergehen. Grundvoraussetzung auch hier, eine sehr gute Schießtechnik!

Nähere Informationen zum Berger-Test finden Sie unter folgendem Link: http://deutscher-bogensportverlag.de/der-berger-test-grund-und-feinabstimmung-des-buttons/