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Grundlagen für erfolgreiches Bogenschießen

Für ein erfolgreiches Bogenschießen ist es wichtig, die drei Komponenten zu kennen, die über Erfolg oder Niederlage entscheiden.

Der erste, geistige Teil des Bogenschießens, ist viel größer als zunächst angenommen und - leider - wird dieser schon in der Grundausbildung stark vernachlässigt.

Die zweite Komponente ist der physische Teil = der Körper. Die dritte Komponente ist der mechanische Teil = die Ausrüstung. Diese Komponenten zu kennen und zu begreifen ist die eigentliche Herausforderung des Bogenschießens als Gesamtkonzept.

Nur wenn der Bogenschütze begreift, was er und was sein Verstand tut, nur dann sind die Grundlagen für ein erfolgreiches Schießen gelegt. Letzten Endes ist es ausschließlich der Verstand der handelt. Wenn man siegreiches und erfolgreiches Bogenschießen verstehen, lernen und ausüben will, kann man der geistigen Kontrolle niemals zu wenig Bedeutung beimessen.

Schützen werden niemals ihre beste Form erreichen und finden, ohne zu verstehen oder zu begreifen und sie können nur verstehen und begreifen, wenn ihr Verstand arbeitet und bejaht, was er bejahen muss. Selbsterkenntnis und Selbstrefektion sind hier der Schlüssel.

Es muss von Seiten des Schützen und von Seiten des Trainers offen und ehrlich auf die persönlichen Eigenschaften/Eigenarten gezeigt und diese analysiert werden. Davor dürfen wir uns keineswegs fürchten. Nur wer offen und ehrlich zu sich ist, wird den Unterschied zwischen falschem und richtigem Schießen erkennen. Der Schütze muss lernen sich einzugestehen: „Ja, hier habe ich einen Fehler gemacht und den kann und will ich ändern“.

Aber es gibt leider viel zu viele Bogenschützen die sich nicht entscheiden können, diesen Weg zu gehen. Im Laufe meiner mehr als 40-jährigen Erfahrungen im Bogensport habe ich oft feststellen müssen, dass es gerade die intelligentesten Köpfe sind, die nicht anerkennen wollen, dass es ausschließlich und immer ihr Verstand ist, der die gesamte Leistung vollbringt.

Letztendlich kann man diese Problematik in einem Satz zusammenfassen: Diese Schützen finden immer viele Gründe um nicht ehrlich gegen sich selbst zu sein und wollen die Wahrheit nicht anerkennen. Erlauben sie ihrem Verstand, erstaunliches zu leisten und geben sie ihm die Möglichkeit dazu, er kann es!

Gerade in der heutigen Zeit tun Menschen sich mit Kritik äußerst schwer. Sie erkennen nicht den Unterschied zwischen positiver und negativer Kritik. Für mich als Trainer ist jede Form der Kritik an einem Schützen positiv. Ich will und bin beim Bogenschießen nicht sein Feind, sondern sein Freund, nur erkennen viele Schützen diesen Unterschied nicht.

Durch meine (positive) Kritik will ich den Schützen auf einen gemachten Fehler in seinem Schieß- und Bewegungsablauf oder in seiner geistigen Haltung hinweisen. Wenn er aufmerksam zuhört und ehrlich zu sich selber ist, wird er schnell feststellen, dass die Abstellung des Fehlers ihn sehr schnell in seiner Entwicklung weiterbringt, was letztendlich zu einer Verbesserung seiner Schießergebnisse führt. Nur wird diese von mir geäußerte (positive) Kritik in unserem gesamten Umwelt und im Sozialverhalten sofort als negativ empfunden und es beginnt sofort mit einer Rechtfertigung des Schützen, dass er dies und das nicht machen konnte, weil er ... Hier beginnen dann die ganzen nutzlosen Aufzählungen und Erklärungsversuche die von meiner Seite aus unkommentiert bleiben.

Zum Abschluss noch einige Anmerkungen zum Thema „Mentale Stärke“:
Obwohl viele Bogensportler mit der eigenen Leistung oftmals unzufrieden sind, verweigern sie eine Veränderung. Sie haften an dem, was sie kennen und gelernt haben. Ich spreche gerne in diesem Zusammenhang von der sogenannten „Komfortzone“ des Schützen.

Obwohl eigentlich jeder weiß, dass mentale Stärke zum modernen Leistungs- und Freizeitsport dazugehört, trauen sich die Wenigsten an dieses Thema heran. Ein Grund dafür liegt vermutlich in der Tatsache, dass die Auswirkungen dieses Bereiches nicht so leicht mit einem Maßband, einer Stoppuhr oder anhand von Schießergebnissen gemessen werden können. Veränderungen in der Trainingsintensivität merkt der Schütze schnell an nachlassender Kondition oder dem einsetzenden Muskelkater.

Wenn aber falsches (negatives) Denken zu Kopfschmerzen führen würde, dann würde sich auch hier die Notwendigkeit eines mentalen Trainings schnell selbst beweisen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, hier das Heft des Handels in die eigene Hand zu nehmen und mit dem mentalen Training zu beginnen. Das dazugehörige Wissen kann sich der Schütze auf dem autodidaktischen Wege oder in Form von Weiterbildungsseminaren aneignen.

Fazit: In der mentalen Stärke liegt das größte Leistungsreservoir!

Text: © Bert Mehlhaff

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