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Das Tillern eines Recurvebogens

Zunächst sollte die Grundeinstellung des Recurvebogens hergestellt sein. Dieses bedeutet, dass folgende Faktoren überprüft und eingestellt sind:

  • Sitzen die Wurfarme richtig im Mittelteil? Der obere Wurfarm in der oberen Wurfarmtasche und er untere Wurfarm in der Unteren? Wurfarme sind unterschiedlich gearbeitet, d.h. der untere Wurfarm ist vom Zuggewicht her stärker.
  • Sind die Wurfarme gerade?
  • Sind die Wurfarme verwunden?
  • Ist die Pfeilauflage korrekt angebracht?
  • Sitzt der Button korrekt und ist der Pfeil richtig angelehnt?
  • Stimmt der Buttondruck?
  • Stimmt die Standhöhe des Bogens?
  • Ist das Visier mittig und der Visierschlitten parallel zur Sehne?
  • Mittenwicklung korrekt?
  • Nockpunktüberhöhung korrekt?

Wenn diese Dinge im Vorfeld alle abgeklärt sind, können wir zum Tillern eines Bogens übergehen. Grundvoraussetzung ist ein gefestigter und gleichbleibender Schießstil des Bogenschützen.

Bogenschütze - Foto: © Martina Berg
Bogenschütze - Foto: © Martina Berg

Welche Bedeutung hat der Tiller?

Ein korrekt eingestellter Tiller eines Recurvebogens sorgt dafür, dass sich der abgeschossene Pfeil nach dem entspannten Lösen (!) exakt durch die Energiemitte des Bogens bewegt.

Da der Bogenschütze nicht durch die geometrische Mitte (Pivot-Point, auch Dreh- und Druckpunkt genannt) schießen kann, wurde die Energiemitte in Richtung der Pfeilauflage nach oben hin verlegt.

Um nun die unterschiedliche Belastung der Wurfarme auszugleichen, wurde der obere Wurfarm etwas „weicher“ konstruiert. Daraus ergibt sich eine Differenz an den Tillermesspunkten. Um es auf den Punkt zu bringen, ist der Tiller das Biegeverhältnis des unteren zum oberen Wurfarm!

Um nun den richtigen Tiller zu finden, müssen wir zunächst zwei Arten unterscheiden. Zum einen den statischen und den dynamischen Tiller.

Wie misst man den statischen Tiller und was ist dieser?

Die Messpunkte bei einem gespannten aber nicht ausgezogenen Recurvebogen liegen unmittelbar oberhalb bzw. unterhalb der Wurfarmtaschen. Gemessen wird der Abstand zwischen dem Wurfarm und der Sehne. Der Abstand des oberen Wurfarms sollte zunächst höher sein. Eine Differenz von + 10 Millimeter ist als zunächst korrekt anzusehen. Die für den Bogen korrekte Einstellung sollte individuell ermittelt werden.

Wie misst man den dynamischen Tiller und was ist dieser?

Hier wird beim ausgezogenen Bogen ebenfalls der Abstand zwischen Wurfarm und Sehne ermittelt. Da diese Vorgehensweise nicht ganz unproblematisch ist, verwendet man ein sog. Tillerbrett. Auf diesem Tillerbrett wird der Recurvebogen zunächst fest fixiert, wobei die Sehne dann mechanisch ausgezogen wird. Ein solches Brett ist im Fachhandel zu bekommen.

tiller

Für den Bogenschützen gibt es noch zwei wesentliche Einflussgrößen, die der Bestimmung des Tillers zugrunde liegen:

1. Die individuelle Druckverteilung der Finger der Zughand auf der Sehne und
2. Der individuelle Druckpunkt der Bogenhand im Griffstück

Kurz eine Erläuterung zu der individuellen Druckverteilung der Finger der Zughand auf der Sehne: Die Finger der Zughand sollen im ersten Fingergelenk an der Sehne positioniert werden. Die Druckverteilung sollte im Idealfall bei 40 % auf dem Zeigefinger, 50 % auf dem Mittelfinger und ca. 10 % auf dem Ringfinger bei geradem Handrücken liegen. Werden nun die Finger immer wieder unterschiedlich auf der Sehne positioniert, ergeben sich immer andere Prozentzahlen der Druckverteilung an den Fingern.

Für die individuellen Druckverteilung der Bogenhand im Griffstück gilt: Der Anstellwinkel der Bogenhand im Griffstück sollte im Idealfall 45° betragen. Das Netz der Hand liegt somit im tiefsten Punkt des Griffs, wobei der Druckpunkt rechts (RH) von der Lebenslinie liegt.

Da jeder Bogenschütze über eigene Druckpunkte im Griff und an der Sehne verfügt, ist die Tillerdifferenz ganz individuell zu ermitteln. Ist diese ermittelt, bewegen sich beide Wurfarme bei ausgezogenem Bogen symmetrisch und bewegen sich nach dem Lösen auch symmetrisch in die Ausgangsposition.

Damit der Schütze, sowie eine dritte Person die Bewegungssymmetrie der Wurfarme feststellen kann, wird zunächst ein Monostabilisator vorne am Bogen angeschraubt.

Beim Ausziehen des Bogens achtet der Schütze unbedingt darauf, das der Druckpunkt im Griffstück und die Druckpunkte der Finger an der Sehne den üblichen Druckverhältnissen entspricht. Zugarm und Bogenarm müssen sich immer auf gleicher Höhe/Ebene bewegen.

Bei einer optimalen Bewegungssymmetrie der Wurfarme darf der Monostabilisator keine Höhenschwankungen aufzeigen. Sollten hier Höhenschwankungen auftreten, so arbeiten die Wurfarme nicht synchron. Dieses sollte eine dritte Person, die seitlich neben dem Schützen steht, beobachten!

Ein weiterer Hinweis auf eine falsche Tillereinstellung ist eine ruckartige oder auch sprunghafte Bewegung des Stabilisators beim Abschuss. Auch dieses sollte durch eine dritte Person beobachtet werden.

Testverfahren

  • Der Schütze sollte zunächst den Minimalwert der Herstellerangabe für die Standhöhe wählen.
  • Das Tuning sollte zunächst auf einer Entfernung zwischen 25 und maximal 30 Meter beginnen.
  • Der Bogenschütze schießt Passen zu je 6 Pfeilen und notiert sich die Trefferlage anhand eines Gruppierungschecks.
  • Nun wird die Standhöhe durch eindrehen der Sehne erhöht. Dieser und folgende Veränderungen nur in kleinen Schritten. Stichwort: Millimeter für Millimeter!
  • Der Schütze überprüft die korrekte Nockpunktüberhöhung und korrigiert ggf. den Sitz der Nockpunkte. Es eignen sich hierfür besonders gut sog. temporäre Nockpunkte.
  • Der Bogenschütze schießt nun wieder Passen zu je 6 Pfeilen und notiert sich die Trefferlage anhand eines Gruppierungschecks. Dieses wird solange wiederholt, bis die Obergrenze der Herstellerangabe erreicht ist.
  • Nun kann anhand der Gruppierungschecks nachvollzogen werden, welche Standhöhe die optimale (für diese Entfernung) ist.
  • Wiederholt wird das Verfahren auf verschiedene Entfernungen, möglichst an einem Tag und unter gleichbleibenden äußeren Bedingungen.

Die Feineinstellung

Hier schießt der Bogenschütze auf eine Entfernung von 50 bis 70 Metern. Nach jeder Serie der geschossenen Pfeilen wird die Tillerdifferenz in Millimeter-Schritten geändert. Beobachtet wird die Trefferlage in der Höhenlage und in der Gruppierung der Pfeile. Der Bogenschütze muss hierbei auch immer auf die ggf. geänderte Nockpunktüberhöhung achten.

Je enger die Pfeilgruppierung ist, desto besser ist die Tillerdifferenz des Bogens eingestellt. Hierfür sollte sich der Schütze entscheiden!

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