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Das Einhaken und Greifen – Positionierung der Finger und des Tabs an der Sehne

In diesem Beitrag erfährt der Bogenschütze, wie er seine Finger und seine Zughand richtig in Stellung bringt, um letztendlich ein entspanntes Lösen zu gewährleisten. Viele Bogenschützen schlagen sich mit dem Problem des nicht korrekten (entspannten) Lösens herum, was wiederum zur Folge hat, dass der Pfeil nicht richtig ins Fliegen kommt und so eine gute Gruppierung der Pfeile verhindert.

Foto: © Martina Berg
Foto: © Martina Berg

Ich empfehle, die Sehne direkt vor dem ersten Fingergelenk von Zeige- und Ringfinger und hinter dem ersten Fingergelenk des Mittelfingers zu positionieren. Dieses erlaubt dem Bogenschützen ein unverkrampftes Einhaken der Finger an der Sehne und ermöglicht ihm ein entspanntes Lösen der Sehne von den Fingern.

Legt nun der Bogenschütze seinen Tab an die Sehne, platziert dann seine Finger darauf, muss er jedes mal (!) visuell und gefühlsmäßig überprüfen, dass Tab und Finger immer in der gleichen Art und Weise dort positioniert werden. Schon kleinste Abweichungen davon führen zu unterschiedlichen Treffern auf der Scheibe.

Auch sollte der Tab über einen Fingertrenner verfügen, damit eine entspannte Fingerhaltung garantiert werden kann. Wird kein Fingertrenner benutzt, besteht die Gefahr, dass der Pfeil eingeklemmt wird. Will der Bogenschütze dieses ohne Fingertrenner verhindern, neigt er in der Regel dazu, seine Finger so zu spreizen, das eine Verspannung der Zughand eintritt.

Foto: © Martina Berg
Foto: © Martina Berg

Daraus ergibt sich, dass die Zughand jetzt nicht parallel, sondern leicht abgewinkelt so an die Sehne gelegt werden muss, wie der Anker unter dem Kinn sitzen soll. Dieses ist aus Sicht des Bogenschützen unter allen Umständen zu verhindern. Eine gerade Linie von Handrücken – Handgelenk – Unterarm/Oberarm – bis zum Ellbogen – einschließlich der Zugschulter garantiert einen sauberen und gleichmäßigen Schießstil.

Viele Bogenschützen übersehen oft einen wichtigen Aspekt beim Einhaken der Finger an der Sehne, nämlich das a u f w ä r t s einhaken. Speziell mit dem Zeigefinger der Zughand. Hier sollte die Kuppe (Fingernagel) leicht nach oben weisen. Viele Bogenschützen tun genau das Gegenteil. Sie haken nach unten ein mit dem Effekt, dass sie die Kontrolle und den Druck des Zeigefingers verlieren.

Des weiteren ist darauf zu achten, dass kein Finger der Zughand den Pfeil berührt, oder im schlimmsten Fall, Druck auf den Pfeil ausübt. Ein akzeptabler Abstand von 1 bis 3 Millimeter reicht hier aus. Nur durch das aufwärts einhaken kann der Zeigefinger den richtigen Druck und die korrekte Richtung haben, um dem Bogenschützen sein sauberes Lösen zu ermöglichen.

Beherrscht der Bogenschütze dieses aufwärts einhaken, befreit er sich gleichzeitig von mehreren Problemen:

  • Druck auf den Pfeil
  • Einklemmen des Pfeils mit den Fingern
  • Heraushebeln des Pfeils mit dem Mittelfinger
  • Verkanten der Zughand an der Sehne

Nach dem Einhaken darf sich nichts mehr an der Position verändern. Kein hin- und herrutschen oder Gleiten auf der Sehne.

Zieht der Bogenschütze nun seinen Bogen aus, wandert der Pfeil leicht nach oben in Richtung des Zeigefingers. Dieses wird durch die Verkleinerung des Sehnenwinkels hervorgerufen.

Haben sie Schmerzen im Zugarm, ein Taubheitsgefühl oder Prickeln in den Fingern? Dann überprüfen sie bitte folgende Punkte:

  • Nachgreifen der Finger beim Lösen
    Viele Bogenschützen neigen dazu, beim Lösen nicht ihre Finger zu entspannen, sondern bewusst/gewollt die Finger zu öffnen. Dieses führt in den meisten Fällen dazu, dass die Sehne nicht den direkten Weg nach vorne nimmt, sondern nach außen (bei Rechtshandschützen nach rechts und bei Linkshandschützen nach links) gerissen wird. Dabei schlägt die Sehne vorne an den Fingerkuppen an, was letztendlich zu einem prickeln oder Taubheitsgefühl führen wird.
  • Ist vielleicht das Leder des Tabs zu dünn?
    Jeder Bogenschütze sollte kontinuierlich die Beschaffenheit seines Tabs kontrollieren. Ein am Anfang noch dickes Leder nutzt sich mit jedem Schuss Stück für Stück ein bisschen mehr ab. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem die Stärke des Leders so dünn ist, das es zu den Schmerzen oder Taubheitsgefühl kommt. Konsequenz: auswechseln!
  • Druckverteilung auf den Fingern
    Zieht der Bogenschütze seinen Bogen in den Vollauszug, sollte sich die Druckverteilung der Finger an der Sehne im Verhältnis 40% auf den Zeigefinger, 50% auf den Mittelfinger und 10% auf den Ringfinger verteilen. Diese Zahlen sollen für den Bogenschützen nicht als absolut gelten, sondern sollen ein allgemeiner Richtwert sein.

Der Grad des Einhakens ist oft aufgrund der unterschiedlichen (anatomisch) Fingerlängen und der Fingerdicke für die einzelnen Finger relativ uneinheitlich zu bestimmen.

Es hat sich in den letzten Jahren aber als positiv heraus gestellt, dass die Nägel der oberen Finger (hier Zeige- und Mittelfinger) nach hinten, in Richtung Kehle, und nicht nach außen oder zur Seite zeigen sollten. Der Ringfinger hakt hierbei nicht so stark wie die anderen ein, da er die Aufgabe hat, die Zughand auf der Sehne zu positionieren und zu stabilisieren. Dieses gewährleistet, dass eine unerwünschte Drehung nach außen verhindert wird.

Hat der Bogenschütze seine Finger nun eingerollt, so dürfen sie auf keinen Fall mehr nachgeben oder ihre eingenommene Position verändern. Jedweder Verlust des Hakens während des gesamten Schussablaufes ist die Hauptursache dafür, dass der Bogenschütze seine Verbindung zum Rückenzug (Rückenspannung) verliert. Daraus folgert, das der Bogenschütze sich in eine Druck-Zug-Situation befindet, die einen sauberen Schuss und ein sauberes Lösen verhindert.

Die Position des Daumens und des kleinen Fingers: Damit der Bogenschütze seine Rückenmuskulatur (Rückenspannung) richtig und gezielt einsetzen kann, muss der Daumen der Zughand so positioniert werden, dass er nach unten und hinten gestreckt wird. Dadurch erreicht der Bogenschütze, dass er seinen Unterarm entspannt. Der kleine Finger wird eingerollt und erfährt keinerlei Veränderungen seiner Position mehr.

Text: © Bert Mehlhaff
Fotos: © Martina Berg


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